AlpenCross 2005
Garmisch - Torbole
Via Fernpass, Fimberpass, Costainaspass, Passo di Gavia, Bärenpass
Teilnehmer
Michael Mastroserio ( Riegelhof - Racing - Team )
Marc Kötter ( MTB - Team - Radkappen Maintal )
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Samstag, 16.07.2005 / 1. Etappe
Garmisch – Eibsee – Hochthörlehütte – Ehrwald – Fernpass über Via Claudia Augusta – Imst
Distanz : 61,76km
Höhenmeter : 1496hm
Dauer: 7:24:33 ( inkl. aller Pausen )
Höchster Punkt : Trail nach Landesgrenze D->A auf 1460m
Nun ist es also endlich soweit, nach langer Vorbereitung der erste Tag unserer Transalp! Wir sind zu zweit, mein Freund Marc Koetter und ich. Ursprünglich waren wir zu dritt, aber mein Freund und Teamkollege Holger Schneider musste aus beruflichen Gründen kurzfristig absagen. Schade, denn auf einigen Touren und Marathons hatten wir uns zu einer guten Gruppe zusammengefunden. Nächstes Jahr aber wird er dabei sein!
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel Trifthof starten wir Richtung Grainau. Das Wetter könnte besser sein, es ist zwar mäßig warm aber der Himmel verspricht nichts gutes. Und tatsächlich, kaum sind wir aus Garmisch raus fängt es an zu regnen. Toller Auftakt! Zum Glück lässt der Regen bald nach und es wird wärmer, so dass wir unsere Windjacken wieder ausziehen können.
Über kurze aber steile Rampen erreichen wir nach dem ersten Anstieg einen der schönsten Bergseen Bayerns, den Eibsee ( 1000m ). Es folgt eine kurze Fotopause und dann der Uphill zur Landesgrenze. Über langgezogene Schotterserpentinen schrauben wir uns immer weiter hoch. Immer wieder gleitet unser Blick auf den unter uns liegenden Eibsee, eine fantastische Aussicht! Nun soll die Schotterstraße in einen Trail übergehen, wir verpassen zwar den Einstieg aber dank GPS finden wir schnell zurück.
Der Trail entpuppt sich als zuerst fahrbar, wird dann aber so steil und verblockt dass wir absteigen müssen. Schiebenderweise überqueren wir die Landesgrenze nach Österreich, nicht ohne uns über das Grenzschild der Ösis zu amüsieren ( siehe Foto ). Etwas weiter oben dann der höchste Punkt unserer heutigen Etappe ( 1460m ).
Auf Schotter geht’s kurz bergab, dann lockt uns die Hochthörlehütte ( 1459m )zur Einkehr. Bei Wurstbrot, Kuchen und Schorle fachsimpeln wir mit anderen Bikern über die verschiedenen Routen bei Alpenüberquerungen. Zwischendurch gibt es wieder mal einen kurzen aber starken Gewitterschauer, typisch mitteleuropäisches Sommerwetter! Gut dass wir bald in Italien sind!
Nach dem Downhill Richtung Ehrwald beginnt der lange Anstieg hinauf zum Fernpass. Wir sind auf historischen Grund unterwegs, die Strecke verläuft auf der alten Römerstraße „Via Claudia Augusta“, teilweise lassen sich sogar noch tief in die Steine eingegrabene Fahrspuren entdecken.
Unterwegs treffen wir auf eine Gruppe bayerischer Biker, die ebenfalls auf dem Weg nach Imst sind. Gemeinsam stürmen wir die steilen Serpentinen hinauf zum Fernpass( 1170m ). Wir fahren kurz bergab, queren die Straße auf der viele Urlauber unterwegs sind und biegen dann in eines der Highlights des heutigen Tages ein; der Trail hinunter zum Schloss Fernstein! Wurzeln, Steine, kleine Absätze-alles dabei was des Bikers Herz begehrt! Teilweise führt der Trail rechts an großen Felsen entlang während es links steil bergab geht, hier darf man sich beileibe keinen Fahrfehler leisten. Als wir Schloß Fernstein erreichen öffnet der Himmel seine Schleußen, ein starkes Gewitter setzt ein. Wir aber stehen trocken im Eingang des Schlosses und warten ab. Nach 30 Minuten ist der Spuk vorbei und wir nehmen die hügeligen letzten 13km nach Tarrenz bei Imst in Angriff. Kurz bevor wir unsere Unterkunft erreichen setzt abermals ein Gewitterschauer ein bei dem wir leider klatschnass werden. Dann aber ist es geschafft und wir nehmen Quartier in der Pension „Waldesruh“. Wirtin Christine Bammer sorgt für einen perfekten Service ( Wäsche der Bikeklamotten! ) und ein tolles Abendessen mit Salat, Nudeln, Kraut und Knödeln. Für 32 € pro Person für Übernachtung&Halbpension mehr als empfehlenswert!

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Sonntag, 17.07.2005 / 2. Etappe
Imst – Landeck – Tobadill – Almstüberl – See – Kappl – Ischgl
Distanz : 64,83km
Höhenmeter : 1604hm
Dauer : 8:03:00 ( inkl. aller Pausen )
Höchster Punkt : Almstüberl auf 1370m
Heute geht’s nach Ischgl. Das Höhenprofil verspricht ständiges, wenn auch moderates Bergauffahren, nur unterbrochen vom langen Uphill hinauf zum Almstüberl. Zunächst aber rollen wir fast flach über 20km durch das Inntal. Auf den ersten KM geben wir etwas Gas, denn die führen an der Autobahn entlang und darauf können wir gut verzichten. Dann aber öffnet sich das Inntal und der Radweg geht von der Autobahn weg. Es ist sonnig und warm, nach dem vielen Regenschauern des Vortages eine echte Wohltat.
So richtig zur Sache geht es ab Landeck, eine wenig befahrene Nebenstraße windet sich immer steiler bergauf. Dann geht es vor Tobadill endlich in den Wald und wir fahren eine schöne, wenn auch sehr kräftezehrende Schotterpiste nach oben.
In Tobadill angekommen treffen wir an einem Brunnen auf eine große Gruppe Biker die wir unterwegs immer wieder treffen sollten. Sehr gesprächig sind die aber nicht und so füllen wir nur kurz unsere Trinkflaschen auf und weiter geht’s. Die Straße endet abrupt in einen Trail den wir weiter entlang kurbeln. Am Almstüberl ( 1370m ) wollen wir endlich eine verdiente Essenspause einlegen, doch dort angekommen entdecken wir ein Schild „Betrieb eingestellt“!
Da uns aber der Trail schnell wieder in bewohnte Gegend bringen soll regen wir uns nicht weiter auf, doch auf dem Downhill stellen wir fest, dass dieser stellenweise so zugewachsen, steil und rutschig ist dass wir oft aus dem Sattel gezwungen werden. Erst zum Ende hin ist er komplett fahrbar und da kommt dann auch wieder Spaß auf.
Nach einem weiteren Downhill über Asphalt machen wir Halt in See ( 1052m ) und essen endlich zu Mittag.
Dann nehmen wir das letzte Teilstück nach Ischgl in Angriff. Der sogenannte „Talwanderweg“ entwickelt sich zu einer wahren Cross-Country-Strecke, es geht permanent steile Rampen rauf und runter und das zieht uns fast die letzten Körner aus den Knochen! Trotzdem macht es Spaß denn der Weg ändert ständig sein Gesicht – Waldweg, Schotter, Trail, alles dabei. Wir treffen auch wieder auf die große Gruppe Biker von vorhin, die sind aber derart lahm auf den Trailabschnitten unterwegs dass Marc und ich uns beeilen müssen die Gruppe zügig zu überholen! Unterwegs machen wir kurz in Kappl ( 1267m ) Halt, dort findet ein Feuerwehr-Fest statt. Wir trinken etwas und schauen dem Treiben auf der gesperrten Hauptstraße zu.
Spätnachmittags dann endlich die Ankunft in Ischgl, wo im Hotel „Alt Paznaun“ ein schönes Zimmer auf uns wartet. Vom Juniorchef bekommen wir noch ein paar Tipps für unsere morgen anstehende Königsetappe, außerdem wird wieder mal unsere Wäsche gewaschen! Ischgl scheint im Sommer wie ausgestorben, kaum Restaurants sind geöffnet so dass man keine Ansprüche stellen darf. Nach einem einigermaßen guten Essen ziehen wir uns aufs Zimmer zurück und genießen die Ruhe – wir sind die einzigsten Gäste im Haus!


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Montag, 18.07.2005 / 3. Etappe
Ischgl – Heidelberger Hütte – Fimberpass – Zuort – Sent – Scuol – S`charl
Distanz: 47,65km
Höhenmeter: 2291hm
Dauer: 9:52:18 ( inkl. aller Pausen )
Höchster Punkt: Fimberpass auf 2608m
Die Königsetappe! Auf knapp 48km sollen wir fast 2300hm überwinden. Deswegen starten wir nach einem sehr guten und ausgiebigen Frühstück zeitig um 8:36 Uhr Richtung Fimbertal und Heidelberger Hütte, dem ersten Tagesziel. Nach einer unglaublich steilen Auffahrt aus Ischgl heraus ( bis zu 25% steil! )öffnet sich vor uns das Fimbertal, rechts und links flankiert von den Bergriesen der Paznaungruppe. Wir sind fast sprachlos angesichts der gewaltigen Natur um uns herum und fühlen uns ganz klein.
Noch hält das Wetter, es ist trocken und heiß, für den Nachmittag sind aber schwere Gewitter mit Hagel und Platzregen vorhergesagt. Wir beschließen, an der Heidelberger Hütte ( 2264m ), die bereits auf Schweizer Gebiet liegt, nur etwas zu trinken um so schnell als möglich die Schiebepassage zum Fimberpass hinter uns zu bringen.
Was jetzt kommt ist wirklich eine Schiebepassage! Über 1 Stunde arbeiten wir uns durch die Mondlandschaft jenseits der Baumgrenze, trotz der Strapazen habe ich nur Augen für die Berge ringsum. Der Anblick raubt mir fast den Atem, einen solch majestätischen Anblick hatte ich noch nie.
An den steilsten Stellen ist der Weg fast 50% steil, da kommt man nur mit Hilfe der anderen Biker hoch die hier unterwegs sind. Gegenseitig helfen wir uns über die schlimmsten Rampen. Zwischendurch lässt der Trail aber sogar kurzzeitiges Fahren zu, aber nach wenigen hundert Metern ist das vorbei und die Schieberei beginnt vom neuen.
Marc hat hier Schwierigkeiten, seine Schuhe scheinen absolut ungeeignet für den sehr groben Schotter, und dadurch bekommt er Probleme mit den Waden. Es kostet einige Mühe ihn bei Laune zu halten. Dann haben wir es endlich geschafft und wir stehen auf dem Fimberpass, mit 2608m Höhe fast der höchste Punkt unserer Transalp. Nach dem obligatorischem Gipfelfoto beeilen wir uns weiterzukommen – die dunklen Wolken hinter uns kommen immer näher und lassen nichts gutes erahnen!
Die folgende Abfahrt gilt als die beste der ganzen Alpen – für uns ist es wiedermal ein Kennenlernen unserer technischen Grenzen, der Trail ist an manchen Stellen so unglaublich steil und rutschig dass wieder nur Schieben bleibt. Wo es aber fahrbar wird macht es wieder mal unheimlich Spaß! Marc findet sogar noch unterwegs Zeit, Murmeltiere aufzuspüren und diese zu fotografieren, während das Gewitter immer näher kommt. Bange schaue ich zum Himmel – wird das Wetter halten?
Auf dem dann folgendem Schotterweg bergab passiert uns ein folgenschwerer Fehler. Laut GPS sollen wir dem Weg weiter folgen, doch der Trail rechts sieht zu einladend aus. Das GPS zeigt zudem an, dass dieser Trail wieder auf den Hauptweg zurück führt- wir überlegen nicht lange und stürzen uns in den Wald. Der Trail macht zuerst viel Spaß, das böse Erwachen folgt später. Es geht tief ins Tal hinein, schließlich sind wir unten am Fluß – so weit wollten wir dann doch nicht runter. Zurück ist es zu steil, wir hoffen dass der Weg moderat ansteigt um wieder auf den Hauptweg zu treffen. Natürlich ist dem nicht so, der Trail wird zum unfahrbaren Monster, an manchen Stellen haben Erdrutsche den Trail weggespült und wir müssen über Felsen am Steilhang die Bikes drüberheben, eine gefährliche Angelegenheit.
Als es endlich wieder auf Waldboden weitergeht wird es so steil dass wir kaum schieben können. Es hat angefangen zu regnen, der Himmel wird immer dunkler, es ist kalt und zudem donnert es bedrohlich – wir müssen schnellstens aus dem Wald raus!
Über 2 Stunden schlagen wir uns durch die Wildnis, dann haben wir die Nase voll und schieben kurzerhand quer über eine Alm am Steilhang geradewegs bergauf. Völlig ausgepumpt erreichen wir unseren eigentlichen Weg und fahren weiter bergab nach Scuol. Dort scheint endlich wieder die Sonne und auch die Wärme kehrt zurück, doch wir sind zu fertig um uns darüber zu freuen, so sehr hat uns die Passage durch den Wald ausgezehrt.
Kurz hinter Scuol beginnt der letzte Anstieg nach S`charl, und der gestaltet sich als Kampf mit den Steigungsprozenten und uns selbst. Zwar ist es laut Tacho nicht sehr steil, doch wir sind zu ausgepumpt. Jede Kurbelumdrehung wird zum Kampf. Ganz langsam nähern wir uns unserem Ziel, und nach 9:52:18 Std. haben wir es endlich geschafft und das ehemalige Bergarbeiterdorf ( 1805m ) im Unterengadin liegt vor uns. In der Pension „Cruschalba“ wartet auf uns ein gemütliches Zimmer. Wir kommen abermals in den Genuß des Wäscheservices, außerdem bekommen wir ein Menü serviert, dass so reichhaltig und gut ist dass wir letzten Endes positiv auf den Tag zurückblicken. Und das alles für umgerechnet 52€ pro Person, wir bekommen außerdem am nächsten Morgen einen Powerriegel, unsere Trinkflaschen dürfen wir mit Iso auffüllen und das Frühstück sucht seinesgleichen. Wenn das kein Service ist.....spitze!!
Eines haben wir aber heute gelernt: fahre nur nach GPS oder schau auf die Karte wenn du einen Abzweig nehmen willst!

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Dienstag, 19.07.2005 / 4. Etappe
S`charl – Pass da Costainas – Lü – Val Mora – Lago di Giacomo&Fraele – Valdidentro
Distanz: 64,34km
Höhenmeter: 1469hm
Dauer: 8:00:42 ( inkl. aller Pausen )
Höchster Punkt: Pass da Costainas auf 2237m
Ein böses Erwachen am Morgen; ich habe leicht erhöhte Temperatur, fühle mich hundeelend und der Puls rast. Das wechselhafte Wetter am ersten Tag und die Strapazen gestern haben mir anscheinden mehr zugesetzt als ich dachte. Meine Haare sind nass, ich muss nachts geschwitzt haben. Zudem ist mir schwindelig. Wie soll ich bloß diesen Tag, geschweige denn die Transalp überstehen? Beim Frühstück muss ich mich zwingen etwas zu essen. Marc hat mir ein Ibuprofen gegeben, hoffentlich hilft es. Aus S`charl heraus geht es sofort leicht bergauf durch das wildromatische S`charl-Tal in Richtung Pass de Costainas, dem einzigsten voll fahrbaren Pass des Alpenhauptkamms. Für die Schönheiten dieses Tals habe ich aber keine Augen, ich bin zu sehr mit mir beschäftigt. Ganz langsam kurbele ich im niedrigst möglichen Gang, trotzdem geht es mir immer schlechter. Zum ersten Mal denke ich ans Aufgeben. Sollte es schon wieder nach 3 Tagen zu Ende sein?
Wir erreichen den Pass ( 2237m ) und machen das übliche Foto, zum Verweilen ist es leider zu ungemütlich; bei der Abfahrt aus S`charl hatte es sogar geregnet und mit knapp 8 Grad war es verdammt kalt. Auf dem folgenden Downhill hinunter nach Lü muss ich mich sehr konzentrieren die Spur zu halten. Oberhalb von Lü fahren wir aus Versehen in den falschen Abzweig, der folgende kaum fahrbare Trail spuckt uns aber nach ca. 20 Minuten unterhalb von Lü wieder auf die Original-Route aus. Zum Glück kein großer Zeitverlust!
Wir fahren auf Asphalt Richtung St.Maria di Müstair, kurz vor dem geschichtsträchtigen Ort beginnt rechts der lange Schotteranstieg ins Val Mora. Ich muss nun immer wieder absteigen, fühle mich aber langsam besser, anscheinend wirkt die Tablette. Trotzdem zwinge ich mich, den Puls nicht zu hoch zu pushen, ich achte darauf, möglichst im unteren Grundlagenbereich zu bleiben, gar nicht so einfach bei teilweise 13% steilen Rampen!
An der Alp Praveder trinken wir frische Milch, dannach haben wir es geschafft und es geht endlich leicht flach bis abschüssig durch das Val Mora. So viel habe ich von den Schönheiten dieses Hochtals gehört dass ich etwas enttäuscht bin. Vielleicht liegt es aber auch am bescheidenem Wetter und meinem Gesundheitszustand. An der Alp Mora essen wir zu Mittag, ich muss aufpassen nicht einzuschlafen!
Dann aber folgt unsere Belohnung für die vorangegangenen Strapazen; ein wunderschöner Trail am Fluß entlang des auslaufenden Val Mora. Der Trail hat so viel Flow dass wir aus dem Grinsen nicht mehr herauskommen. Nur ganz kurze steile Rampen müssen wir schieben, dannach geht es sofort auf dem Naturweg weiter.
Dieser endet an den Stauseen St.Giacomo et Fraele. So schön der Trail vorhin, so hässlich der Schotterweg am See entlang. Überall LKW`s die die Staumauer des Sees erneuern. Einzig die Berge des Stilfser Nationalparks verschönern den Anblick, teilweise sind sie noch schneebedeckt.
Unser Ziel für heute liegt unterhalb des Sees in Valdidentro, welches wir durch ein mittlerweile sehr schönes Seitental erreichen wo endlich die Sonne scheint-bella Italia begrüßt uns! An den historischen Torre di Fraele vorbei geht’s auf den finalen Downhill auf Schotter nach unten. In der Pension „Edelweiss“ bekommen wir ein sehr geräumiges Zimmer, die Überraschung sollte dann aber am nächsten Tag erfolgen! Ich fahre noch in die nächste Apotheke und decke mich mit medizinischen Hilfsmitteln ein, die mir helfen sollen, die Erkältung in Schach zu halten. Es geht mir richtig gut, bin aber sehr müde. In einer unscheinbaren Kneipe essen wir hervorragende hausgemachte Pasta und nach dem ersten Cappuccino in Italien geht’s sofort ins Bett.

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Mittwoch, 20.07.2005 / 5. Etappe
Valdidentro – Bormio – St.Catarina – Passo di Gavia – Pezzo – Ponte di Legno
Distanz: 53,48km
Höhenmeter: 1477hm
Dauer: 7:03:00 ( inkl. aller Pausen )
Höchster Punkt: Passo di Gavia auf 2618m
Unser nächstes Ziel liegt mittem im Stilfser Nationalpark, Ponte di Legno, im Winter ein sehr beliebter Skiort. Zuerst frühstücken wir, als es ans Bezahlen geht folgt die schon angesprochene Überraschung: wir hatten angenommen, 30€ würden pro Person für Übernachtung&Frühstück gelten, es werden aber nun 39€ fällig! Die zusätzlichen 9€ - pro Person! - bekommen wir für Schinken, Käse und Eier berechnet, die wohl nicht zum Frühstück dazugehörten! Zähneknirschend bezahlen wir die Rechnung, sind uns aber absolut einig, hier nie wieder einzukehren. Lieber das nächstemal am Rifugio oben vor den Torre di Fraele halten oder nach Bormio weiter fahren!!
Nachdem wir Bormio passiert haben geht es sofort bergauf nach St.Catarina( 1729m ), dem letzten Ort vor dem berühmten Passo di Gavia. Regelmäßig führt die Strecke des Giro d`Italia über den Pass, allerdings von der anderen Seite aus. Wir sind froh von Bormio aus den Pass zu stürmen, denn es geht zwar sehr lange ( 25,3km ) aber stetig mit 7-8% bergauf, das sollte auf Asphalt kein Problem darstellen. Die Landschaft ist wieder mal atemberaubend, es läuft aber so gut dass wir kaum anhalten um Fotos zu machen. Nach unglaublichen 1:45:00 Std. sind wir bereits am Rifugio Berni ( 2520m) , was bergauf fast einem 14er Schnitt entspricht! Das Rifugio liegt zwar noch unterhalb der Passhöhe, aber das Wetter ist einfach zu gut hier oben, also machen wir eine lange Pause, bei der wir sehr gut Pasta und Polenta essen und es uns anschließend in Liegestühlen bequem machen. Ich schaue mich etwas um, viele Motorradfahrer kommen vorbei, und auch Autofahrer sind reichlich vertreten. Sie halten aber nur kurz, denn alle wollen weiter zum eigentlichen Pass, der noch gut 100hm weiter oben liegt. Im Rifugio selbst Fotos der denkwürdigen Bergankunft des Giro aus dem Mai 1988, damals starteten die Radler bei tollsten Sonnenschein unten im Tal, das Wetter schlug aber so stark und schnell um dass die bedauernswerten Sportler in eisigster Kälte und geschlossener Schneedecke hier oben ankamen! Auf der folgenden Abfahrt gab es zahlreiche Stürze auf schneeglatter Fahrbahn, die aber alle glimpflich abliefen.
Ich schmeiße Marc aus dem Liegestuhl, es ist zwar superheiß hier oben und wunderschön, doch ich habe aufgrund des teilweise sehr starken Windes auf dem Plateau Angst, mich noch stärker zu erkälten. Wir fahren die letzten 2 km zum Pass, kurz vor der Passhöhe starten wir ein Wettrennen; ich löse mich aber zu früh aus Marc`s Windschatten und er kann die Bergwertung klar für sich entscheiden. Glückwunsch! Dies ist also nun unser letzter und gleichzeitig auch höchster Pass jenseits der 2000er Marke. Alles, was jetzt noch kommt, liegt unterhalb 2000m.
Oben wie immer das Gipfelfoto, dann ziehen wir unsere Windjacken, Arm/Knielinge und Handschuhe an und wir begeben uns auf die lange und kurvenreiche Abfahrt hinunter nach Ponte di Legno.
Bei einer kurzen Fotopause, bei der wir zwei Motorradfahrer aus Kassel ( die Hesse komme!! ) treffen, lassen wir unsere heiß gelaufenen Scheibenbremsen abkühlen. Auf dem weiteren Weg weichen wir kurz vor dem Tunnel auf die alte Gavia-Straße aus, die noch geschottert ist – so sah es hier noch vor ein paar Jahren überall aus! Steil, schottrig und sehr baufällige Randabsperrungen lassen uns den Weg an der Felswand entlang suchen, rechts von uns geht es fast senkrecht nach unten.
Nach ein paar Metern entdecken wir eine große Gedenktafel. 1954 verunglückten hier 18 Alpinisti des Bataillon Bozen als ihr Bus von der Straße abkam und in die Schlucht stürzte. Frische Blumen zeugen davon, dass die Gedenkstätte heute noch besucht wird. Weitere Tafeln gedenken abgestürzter Bergsteiger.
Nachdenklich und sehr vorsichtig fahren wir die Straße weiter bergab. In Ponte di Legno (1318m ) angekommen beziehen wir unser Zimmer in der „Albergo Bella Milano“, was sich als sehr gute Wahl erweist. Ein sauberes, gemütliches Zimmer, freundlicher Padrone und unsere Bikes werden sicher in einem Nebenraum eingeschlossen. Einzig auf den Wäscheservice müssen wir verzichten, aber das ist kein Problem denn ich habe extra Waschkonzentrat dabei, und bei der Hitze sollten die Klamotten schnell trocken sein.
Ponte di Legno erweist sich als blitzsauberes, quirliges Stätdchen mit einer wunderschönen Fußgängerzone und einer tollen Piazza. Dort im Cafe Roma genießen wir Cappuccino und das Dolce far niente. Abends gibt’s die erste Pizza im einem gemütlichen Restaurant nahe des Flusses. Hier könnte man es länger aushalten!

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Donnerstag, 26.07.2005 / 6. Etappe
Ponte di Legno – Passo Tonale – Ossana – Dimaro – Malga Mondifra – Madonna d.Camp.
Distanz: 58,89km
Höhenmeter: 1586hm
Dauer: 08:02:10 ( inkl. aller Pausen )
Höchster Punkt: Passo del Tonale auf 1837m
Kaum zu glauben, die vorletzte Etappe. Zwei lange Anstiege warten auf uns bei denen es richtig zur Sache geht. Wir fahren als erstes den Passo di Tonale über komplett Asphalt ( 1837m ), bleiben hier aber nicht lange, denn es ist aufgrund des starken Verkehrs sehr ungemütlich, landschaftlich ist es auch kein Highlight, rings um uns herum kahlrasierte Berghänge zum Skifahren – zum Abgewöhnen!
Da ist die folgende Abfahrt auf Schotter ins Val di Sole ganz nach unserem Geschmack. Ein toller Downhill führt durch Pinien und Kiefernwälder, teilweise sehr ruppig aber wunderschön. Die Schotterserpentinen machen mittlerweile richtig Spaß und die Kilometer schmelzen dahin. An einer Brücke machen wir wieder mal eine längere Fotopause; mit unseren Kameras bewaffnet „jagen“ wir Schmetterlingen hinterher und warten darauf, dass sie sich auf Blumen setzen um unsere Makros auszuprobieren. Marc liegt hier mit seiner 500gr schweren Lumix klar im Vorteil, aber wir haben ja eh vor uns gegenseitig die Bilder auszutauschen.
Das Val di Sole schließlich macht seinem Namen alle Ehre, es ist heiß, sonnig und trocken. In Pellizzano ( 800 m ) machen wir einen kulturellen Zwischenstopp, die Kirche verspricht schon durch ihr äußeres lohnende Fotomotive. Ein wunderschönes romanisches Portal mit Bladachin, welcher mit Fresken ausgemalt ist. Im Inneren wartet die Kirche mit gotischen Kreuzgewölben auf und an der Wand entdecke ich spätromanische Fresken die sehr gut erhalten sind.
Weiter geht es auf dem Radweg Richtung Dimaro. Der gut ausgebaute Radweg wird von kurzen, steilen Schotterrampen unterbrochen, also wieder mal ein stetes Auf und Ab. Kurz vor Dimaro ( 765m ) essen wir Mittag in einer kleinen Osteria, die auch einige britische Downhiller entdeckt haben. Wieder mal stelle ich fest dass die Jungs richtig Farbe und Power in unseren Sport bringen, ich habe absolut Hochachtung vor den Leistungen dieser „Verrrückten“, was die sich zutrauen würde ich nicht für viel Geld machen. Und anstrengend ist es allemal. Einfach „nur“ den Berg runterheizen wie viele meinen......damit ist es nicht getan!
Anschließend raffen wir uns auf zum finalen Uphill nach Madonna di Campiglio. Gleich hinter Dimaro geht es ab in den Wald. Die Schotterserpentinen jenseits der 10% Marke führen uns immer näher an die Felsentürme der Brenta heran. Ein fantastischer Anblick, bei dem ich beschließe, nächstes Jahr direkt den Weg durch die Brenta hindurch zum Rifugio Graffer zu wählen. Dies soll ein einmaliges Erlebnis sein.
Vorerst kämpfen wir uns den Weg hoch der uns wieder mal fast die letzten Kräfte raubt. Wir treffen unterwegs immer wieder auf Biker die ebenfalls nach Madonna wollen, manche haben Zeit für ein kurzes Gespräch, andere hetzen vorbei.
An der Malga Mondifra ( 1632m) machen wir eine letzte Fotopause. Auf der einen Seite die Brenta, auf der anderen Seite die Riesen der Adamello-Gruppe, es ist einfach immer wieder fantastisch.
Sprichwörtlich auf dem letzten Zacken erreichen wir den berühmten Skiort Madonna di Campiglio( 1550m ) . Aufgrund einer Empfehlung des Transalp-Experten Andreas Albrecht habe ich ein Zimmer im „Hotel Arnica“ reserviert, was sich nach der finanziellen Pleite in Valdidentro als Treffer erweisen sollte. Chef Matteo ist sehr freundlich, immer ansprechbar und kümmert sich um seine Gäste. Gutscheine über 10% bekommen wir ebenfalls, die wir in allen Restaurants des Ortes einlösen können. Prima! Die Bikes werden sicher in der Garage verstaut und nach abendlicher Pizza ziehen wir uns auf unser Zimmer zurück.
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Freitag, 22.07.2005 / 7.Etappe
Madonna d. Camp. – Passo Bregn da l`ors – Stenico – Ponte Arche – Passo Ballino – Torbole
Distanz: 66,48km
Höhenmeter: 1159hm
Dauer: 08:00:56 ( inkl. aller Pausen )
Höchster Punkt: Passo Bregn da l`ors auf 1855m
Den Morgen unserer letzten Etappe lassen wir gemütlich angehen. Wir bezahlen 40€ pro Person für Übernachtung&Frühstück, zahlen sie aber gerne. Guter Service, freundlicher Besitzer, ausgiebiges Frühstück OHNE Extraberechnung machen nun mal den Unterschied. Als ich spät abends noch schnell meine Mails online checken wollte, stellte mir Matteo kurzerhand seinen Laptop zur Verfügung und berechnete dafür auch nichts. So macht man sich Stammkunden!
Wir fahren aus Madonna raus und nehmen Kurs auf den Wald. Hier beginnt gleich ein toller Trail bergab den wir bis zu den Wasserfällen beim Rifugio Cascate folgen. Ein wieder mal unglaublich tolles Fotomotiv!
Nach einem weiteren Schotterdownhill beginnt der letzte lange Uphill unserer Transalp – auf den unvermeidlichen Schotterserpentinen, die wir aber nun sehr flott angehen. Übung macht eben den Meister! Heute sind richtig viele Biker unterwegs, sie haben wie wir ein Ziel: den Lago d`Agola ( 1593m ) kurz vor dem Bärenpass ( Passo Bregn da l`ors ). Dort verschlägt es uns fast die Sprache angesichts der Schönheit dieses Sees. Die Türme der Brenta sind zum Greifen nahe, und wenn das Wasser still ist spiegeln sich darin die schneebedeckten Gipfel. Lange machen wir hier Pause, wohl nicht lange genug für Marc, er meckert etwas als ich zum Aufbruch mahne, denn die Wolken, die hinter der Brenta auftauchen, gefallen mir gar nicht.
Es geht weiter zur Schiebepassage hinauf zum Bärenpass. Da der Weg aber hauptsächlich auf Erde verläuft kommt er mir persönlich wie ein Spaziergang vor im Gegensatz zur sehr anstrengenden Schiebepassage zum Fimberpass. Für Marc hingegen ist es eine Tortur, er muss öfters stehen bleiben weil seine Waden krampfen aufgrund der ungeeigneten Schuhe. Circa 10 Minuten vor ihm erreiche ich den Bärenpass ( 1855m ) und der Blick jagt mir Schauer über den Rücken. Vor mir erhebt sich die Brenta, und hinter mir erblicke ich die Hochgletscher der Adamello-Gruppe. Fotos können diesen Blick nicht wiedergeben, zu schön ist der Anblick der Bergriesen.
Schließlich hat es auch Marc geschafft, im Anbetracht der Aussicht ist er froh, sich hier hochgequält zu haben. Wir machen das letzte Gipfelfoto unserer Tour und starten den langen Downhill hinunter nach Stenico. Über 20km Downhill nur auf Schotter, Wahnsinn, Wir können es richtig laufen lassen. Unten angekommen fahren wir flach Richtung Stenico, hinter uns wird der Himmel immer schwärzer. In Stenico wollen wir laut GPS die Trailabfahrt nehmen, die ist aber gesperrt wegen Bauarbeiten, kein Durchkommen, die Bauarbeiter lassen u s nicht durch. Wahrscheinlich wird es den Trail nach den Arbeiten nicht mehr geben. Also fahren wir auf Straße hinunter nach Ponte Arche. Wir entscheiden uns für die direkte Variante zum Gardasee, denn der Himmel wird hinter uns immer dunkler und bedrohlicher. Ursprünglich wollten wir die alte Sarca-Straße fahren aber wie gesagt-das Wetter!
Wir treffen auf dem Weg zum Passo Ballino zwei andere Biker und wir beschließen, uns gegenseitig Windschatten zu geben. Das klappt echt super und wir fliegen förmlich die Straße bergauf. Als Marc vorne ist zieht er aus lauter Euphorie das Tempo derart an dass er uns abhängt! Ich habe Mühe die Lücke zu schließen und führe die beiden anderen Biker wieder heran. Es geht weiter, und schließlich haben wir den Passo Ballino erreicht. Von jetzt an geht es nur noch bergab!! Bei einer kurzen Lagebesprechung mache ich den Vorschlag, bis zum Tenno-See oberhalb von Riva auf der Straße zu bleiben und dort in den Sentiero 401 abzubiegen. Das wird angenommen und wir fahren weiter. Am Tenno-See eine kurze Fotopause, anschließend stürzen wir uns in den Trail. Zuerst durch ein kleines Dorf geht es bald äußerst steil bergab fast senkrecht nach Riva runter. Wir sind aber so voll Adrenalin dass wir fast alles fahren – oder besser gesagt rutschen, denn der grobe, lose Schotter lässt teilweise fast gar nichts anderes zu. Daß ich fast alles fahre erstaunt mich selbst.
Kurz vor Riva endet der Trail und wir fahren die letzten Meter auf Straße bis zum Ortsschild von Riva. Als wir dieses erreichen kann ich mein Glück kaum fassen und ich muss mich zusammenreissen, nicht ein paar Tränen zu vergießen. Wir haben es geschafft! Natürlich lassen wir uns direkt unter dem Ortsschild fotogarfieren, als Beweis sozusagen. Gemeinsam mit den beiden anderen fahren wir bis an den See in ein Cafe und genießen Eis und Cappuccino. Dannach fahren wir nach Torbole, und bei Mecki`s Bar trennen sich unsere Wege. Unser letztes Quartier haben wir im „Hotel Aurora“. Nach dem Abendessen feiern Marc und ich noch in der Wind`s Bar unsere gelungene Alpenüberquerung!
